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Cannabis - der Wirkstoff der Hanf-Pflanze - zaehlt zu den
aeltesten von Menschen benutzten Substanzen aus Heilpflanzen ueberhaupt. Schon in
den aeltesten Dokumenten der Medizingeschichte, wie dem Arzneibuch des
chinesischen Kaisers Shen Nung aus dem Jahre 2737 vor Christus wurde es als
„Medikament“ erwaehnt. In den meisten antiken Hochkulturen von Indien, Persien
ueber das alte Aegypten und Griechenland bis hin zum europaeischen Mittelalter (z.B. bei Hildegard von Bingen)
wurde es verwendet. Bis zum Beginn des 20. Jahrhunderts war es in der
westlichen Medizin in verschiedensten Zubereitungsformen und Indikationen weit
verbreitet. Erst mit dem Siegeszug der naturwissenschaftlich orientierten
Medizin der folgenden Jahrzehnte mit ihren großen Fortschritten in der
Biochemie und Pharmakologie trat der Hanf als Arzneipflanze etwas in den
Hintergrund. Im Gegenzug trat in der oeffentlichen Wahrnehmung die Moeglichkeit
des Missbrauchs als Rauschgift mit seinen negativen Folgen staerker hervor. In
vielen Laendern wurde daher der Gebrauch von Hanfprodukten der
Betaeubungsmittelgesetzgebung unterworfen. Diese Entwicklung behinderte bis vor
kurzem die systematische wissenschaftliche Erforschung der Inhaltsstoffe des
Hanfes und ihrer Wirkungen auf den Menschen. Erst in den letzten 10 Jahren
wurden die umfangreichen historischen Berichte und der reiche Erfahrungsschatz
der internationalen Volksmedizin um wesentliche Erkenntnisse der modernen
naturwissenschaftlichen Medizin erweitert. So wurden, aehnlich wie fuer eine
Reihe anderer Substanzen, spezifische Rezeptoren im Gehirn und auf Immunzellen
des Menschen entdeckt. Es handelt sich dabei um Kopplungsstellen, an denen sich
Cannabis mit den Zellen verbindet, um seine Wirkung im Stoffwechsel der Zelle
zu entfalten. Auch wurden koerpereigene Cannabinoide aufgespuert. Der menschliche
Organismus selbst bildet diese mit Cannabis verwandten Stoffe. Sie ueben eine
eigene Funktion im komplizierten Netzwerk der biochemischen und psychischen
Koordination des Organismus aus. Ueber die genaue Rolle dieser koerpereigenen
Cannabinoide wissen wir allerdings noch sehr wenig.
Wie koennen wir aber das bisherige Wissen ueber Cannabis
bereits heute fuer Patienten nutzen ?
Die Cannabispflanze enthaelt mehr als 460 bekannte
Komponenten, darunter ueber 60 Stoffe, die zu den typischen Cannabinoiden
gezaehlt werden. Diese haben im menschlichen Organismus sehr unterschiedliche,
zum Teil gegensaetzliche Wirkungen. Der quantitativ wichtigste Inhaltsstoff ist Tetrahydrocannabinol (THC).
Diese Substanz ist fuer die Wirkung auf das menschliche Nervensystem vor allem
verantwortlich. Intensive Forschungsarbeiten laufen in Deutschland mit
synthetischen Cannabinoiden. Bei diesen mit THC verwandten Wirkstoffen werden
einzelne Komponenten der komplizierten Wirkungsweise der Cannabinoide durch
geringfuegige Aenderungen der chemischen Struktur besonders hervorgehoben. Als
ein Resultat dieser Aktivitaeten deutet sich an, dass in Kuerze neue
schmerzstillende Medikamente auf der Basis der Cannabinoide zur Verfuegung stehen
werden. Diese erweitern das bisher verfuegbare Arsenal an Schmerzmitteln. Vor
allem schwer zu lindernde Schmerzen, wie sie zum Beispiel bei
Nervenschaedigungen auftreten, koennen so bald wirksamer bekaempft werden.
In verschiedenen Studien wurde bewiesen, dass Uebelkeit und
Erbrechen, die zum Beispiel nach einer Chemotherapie auftreten, durch
Cannabinoide gelindert werden. Auch die haeufig mit einer Tumorerkrankung einher
gehende Appetitlosigkeit mit der Folge eines bedrohlichen Gewichtsverlustes
koennen z.B. mit THC bekaempft werden. In den USA und Großbritannien sind bereits
Medikamente, die THC als reine Substanz enthalten, auf Rezept verfuegbar. Jedoch
sind sie bei einigen Patienten mit unerwuenschten Nebenwirkungen behaftet und
zudem sehr teuer.
Unsere Klinik hat sich federfuehrend an der Erarbeitung
eines neuen Studienkonzeptes zur Verbesserung der Einsatzmoeglichkeiten von
Cannabinoiden fuer unsere Patienten beteiligt. Dabei wird neben der Reinsubstanz
THC ein standardisierter Extrakt aus der Cannabis-Pflanze eingesetzt. In diesem
als Kapsel aufbereiteten Extrakt sind neben THC weitere Cannabinoide enthalten,
die das Medikament deutlich besser vertraeglich machen. Dazu ist es erheblich
preiswerter als die chemisch reine Substanz. Bereits seit etwa eineinhalb Jahren
setzen wir das Praeparat bei Patienten ein, die infolge ihrer Tumorerkrankung
unter Appetitlosigkeit und Gewichtsabnahme leiden. |
| Bei sachgerechtem
medizinischem Gebrauch der Cannabinoide in Form von Kapseln in richtiger
Dosierung sind negative Auswirkungen, wie sie beim Missbrauch als Rauschdroge
vorkommen, nicht zu befuerchten. Sollten Sie weitere Informationen wuenschen oder Interesse
an einer Behandlung von Appetitlosigkeit und Gewichtsverlust als Folge einer
Tu-morerkrankung haben, fragen Sie bitte Ihren behandelnden Arzt in unserer Klinik. |
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